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Dienstag, 12. Dezember 2006

Editorial und Scrapbook

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Ich habe heute zwei neue Kategorien angelegt. Eine lag mir schon lange am Herzen und ich habe mich ebenso lange davor gedrückt, denn ein "Editorial" wird doch nur von wichtigen Leuten verfasst, die auch etwas Wichtiges zu sagen haben. Ich muss immerzu an die Editorials von Aenne Burda denken: Als junger Mensch fand ich sie geradezu fürchterlich, denn oft hatte ich das Gefühl, in den Texten spricht meine Oma zu mir mit erhobenem Zeigefinger. Ein Editorial behandelte das Thema "Kinder brauchen ihre Eltern". Ich frage mich heute noch, was so etwas in einem Heft mit Schnittmustern zu suchen hat. Aber Aenne Burda war eine selbstbewusste Frau, und hat auf solche Nebensächlichkeiten gepfiffen...glaube ich. Heute finde ich es lobenswert, neben dem Alltäglichen wie Klamotten auch zum Nachdenken anzuregen. Und lese die alten Editorials in der Burda.

Und da meine Gedanken oft um mehr oder weniger wesentliche Themen des Alltags kreisen, und ich- wen wundert´s- ständig das Bedürfniss habe, diese auch der Welt mitzuteilen... müsst ihr also ab heute mit meinen Editorials leben. Klüger werdet ihr davon nicht, und die Welt werde ich damit auch nicht retten (obwohl...wer weiß...man denke nur an den "Schmetterlings-Effekt ;-) ). Aber es ist immer noch ein Tagebuch, dieses Näh-Blog. Und da ich alle anderen abgeschafft habe... wohin denn sonst mit meinen Ergüssen?

Die Kategorie "Scrapbook" ist Sammelbecken für alles, was noch unausgegoren ist, oder aber im steten Fluss der Ideen und Gedanken zu keinem Endpunkt gelangt ist (was, glaube ich, das Gleiche bedeutet) Die Amis haben ja mit ihrem Scrapbook-Basteln seit Jahren die ursprüngliche Bedeutung eines solchen Sammelalbums für Kleinkram ziemlich ad absurdum geführt. Mein Scapbook beinhaltet nur "Scrap", also Schnipsel. Aller Arten, aber meist hat es mit Nähen zu tun.

Heute im Scrapbook: Modestile, die ich für mich genauer umreissen möchte.

So ein Blog ist eine feine Sache: Man kann nicht nur allen Freunden und Bekannten zeigen, was man so als letztes unter der Nähmaschine hatte, man kann auch für sich selbst alle losen Denk-Fäden zu einem Gewebe verbinden. Mein Blog hat mir schon oft geholfen, Gedanken zu ordnen. Ich frage mich immer wieder, ob ein Blog diese Funktion erfüllen sollte... andererseits.... gibt es meines Wissens nach keine Regeln für das bloggen. Nur langweilig sollte es nicht werden. Noch finde ich meines (für mich) interessant und wichtig. Mal sehen wo die Reise hingeht.

Modestile:

Mit der "Princess for all days" fing es an... konkreter zu werden. Prinzessin will ich- und ich wette Millionen anderer "Mädchen" aller Altersstufen auch- ja schon sein, seit ich das Wort aussprechen konnte. Die einen leben es an ihrem Hochzeitstag mit atemberaubenden Roben aus, die anderen träumen nachts davon. Ich will es ja anwenden, wie auch immer.

So weit, so gut. Aber nachdem ich das festgehalten hatte (Blog sei Dank), musste ich feststellen, dass meine Prinzessin, welche ich hier modestylistisch mit Mittelalter gleich setzen möchte (auch wenn dies kostümhistorisch nicht kerrekt ist), nicht alles ist.

Was mir an Mode so missfällt, ist die Festlegung. Auf einen Stil, eine gültige Mode. Grauslich. Lebt man nur einmal- und davon gehe ich der Einfachheit halber mal aus- hat man doch nur die paar Jahre (abzüglich Kindheit, wo uns Mami einkleidet) in denen man sich kleidungstechnisch ausleben kann. Und man erlebt jedes Jahrzehnt eine andere Mode, die aber seit meiner Geburt höchstens in der Breite der Schultern und der Rocklänge sichtbar abweicht. Mal ganz grob vereinfacht.

Also wäre für mich "Schleppe im Aldi" schon allein eine Notwendigkeit, um meine überbordenden Klamotten-Ideen in die Tat umzusetzen. Aber "nur" Mittelalter? Gähn. Also habe ich mich gefragt, welche Modestile mir sonst noch so gefallen. Und da komme ich immer bei den gleichen Epochen raus: Mittelalter, Viktorianisch. Bisschen Renaissance. Ein Hauch Jahrhundertwende, Jugendstil. Und mein Mann liegt mir ständig mit den 40er und 50er Jahren des 20ten Jahrhunderts in den Ohren, also nehmen wir das auch mal mit ins Boot.

Seltsamerweise gehen Barock, Rokkoko und Regency völlig an mir vorbei. Empire hat für mich nur die hohe Taille zu bieten, das Stoffgewurschtel im Rücken ist meine Sache nicht. Die weiten Krinolinen um 1850 sehen schön auf Fotos aus, aber nicht an mir. Metallgestelle in allen erdenklichen Formen für die viktorianische Silhouette... ohne mich. (Btw: Ich hab´s ja mal versucht, so ein Gestell. Wie Modeschöpfer damals auf die Idee gekommen sind kann ich nachvollziehen. Dass Frauen das angezogen haben nicht.) Den "Cul de Paris" Effekt, den ich so sehr mag, kann man auch ohne Metallgestell erreichen. Wenn ich jemals wieder in den Größe-38-Fummel mit Popo-Drapierung passe, den ich mir mal für einen Burda Modewettbewerb genäht habe, mache ich Fotos. Der Popo "steht" nur mit Petticoat-Stoff. Geht doch!

Nun gut, meine Modestile sind also: Mittelalter (SEHR frei interpretiert), Viktorianisch, Mischmach aus Renaissance, Empire und Jugendstil, 40er/50er Jahre. Damit sollte es auch erst mal gut sein. Und weil ich dem Kind auch einen Namen geben möchte, wenn ich mir Klamotten nach diesen Stilen nähe, hatte ich mir gedacht, ich gebe den Stilrichtungen Frauennamen. Sowas wie "Krimhild" für´s Mittellalter. Ok, das habe ich sofort wieder verworfen. Vielleicht nur Namen, die mit "B" anfangen? ;-)

Mittelalter=Brunhild, Viktorianisch=Babette, Mischmasch=keine Ahnung, 40er/50er:Betty

Nein, war nur ein Scherz. Viktorianisch muss "Viktoria" heissen, ist zwar einfallslos, aber hat den maximalen Merkeffekt. Mittelalter vielleicht "Guinevere", die Frau von König Arthur? Kann sich kein Mensch merken, wie das geschrieben wird. Wie wäre es mit "Godiva"? Ironischerweise ist die ja berühmt geworden, weil sie "gar nichts" am Leibe hatte. Oder doch Krimhild? Meine Güte, ist das schwer.

Und 40er/50er bleibt Betty, das ist für mich ein typischer Name. Klingt nach Tollenfrisur und Tellerrock. Oder Dauerwelle und knallroten Lippen, und die sehe ich immer vor mir, egal welches Outfit die Mädels vor 50 Jahren trugen.

Momentan nähe ich ein Modell aus der Dezember Knipmode. Von einem Designer namens Mart Visser. Da ich schwarz liebe, und eng sowieso, musste ich dieses Ensemble aus schwarzem Kleid und Jacke haben. Aber an dem Kleid sitze ich nun schon länger als an jedem Schleppenkleid, und bisher sieht es grauslich an mir aus. Moderne Mode (was für eine Wortkombination) ist halt nix für mich. :-D

Geschrieben von babbelgum61 um 11:35 Uhr in Scrapbook

 

Kommentar: Katrin7 am Wed, 13 Dec 11:16 Uhr

Hallo Bärbel,

ich lese gerne Deinen Blog!
Das Mart Visser KLeid ist sehr schön. ICh habe mir gerade die lange Version genäht, aber ich liebäugele auch mit der kurzen Variante.
Ich kann mir aber schon gut vorstellen, dass Dir das steht; zeig doch mal ein Foto!

LG,
Katrin

Kommentar: Bärbel am Thu, 14 Dec 11:43 Uhr

Jo! das rote Kleid vom Titel der Knip ist der Hammer. Wenn ich mir nicht erst neulich ein rotes Abenddings genäht hätte.....
Ich verlinke das mal heute im Blogeintrag, und werde mich noch darauf beziehen. Mein Mart-Kleid ist zwar fertig, aber ich hab die Lust verloren, die passende Jacke dazu zu machen... will ich aber für Fotos. Ich fange heute an, ganz bestimmt.
PS: Deine blog-adresse stimmt nicht. Sie lautet:
http://sewasyouare.blogspot.com

statt "de" ein "com", und kein www, musste google bemühen um Dich zu finden.

Bärbel

Kommentar: Katrin7 am Mon, 18 Dec 14:28 Uhr

ups - Danke für die Korrektur, die Adresse habe ich einfach nicht drauf, ohne mir einen 2. Browser zu öffnen, was leider mit Modem nicht immer so toll ist...


LG,
Katrin


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