Samstag, 21. April 2007
Schnipp-Schnapp
« Burda, ich liebe Dich | Hauptseite | Unterwäsche »So, endlich kann ich eine kleine Näharbeit nachtragen, die ich schon länger in Arbeit beziehungsweise fertig gestellt hatte. Um diese näher zu erläutern, muss ich ein wenig in die Klamottenkiste greifen, und zunächst ein Kleid zeigen, dass ich mir bereits vergangenen Sommer genäht hatte. Ich habe mir für das Larp-Event in Diemelstadt, das Drachenfest, seinerzeit ein Druidenkleid gebastelt. Guckst Du hier:

Das Kleid hat 2 separate Ärmel, die man anknöpfen kann, also kann man das Kleid auch ärmellos tragen. Mich hat immer etwas gestört, dass es vorne so hochgeschlossen ist. Da ich auch mittlerweile die Druidin an den Nagel gehängt habe, war das Kleid eigentlich ein Fall für den Dachboden. Aber auch mit meinem gut ausgestatteten Fundus habe ich bisher kein Besseres, weil Tavernentaugliches Kleid. Also hab ich das Kleid für die letzte Taverne umgeändert.
Zu diesem Zweck hab ich es angezogen, und kurzerhand mit Schneiderkreide eine Linie unter dem Busen gezogen, bis zu der ich das Kleid "offen" haben wollte. Also eine Art Miedereffekt eines Unterbrustmieders. Dort habe ich es dann mit einer kleinen Nahtzugabe einfach abgeschnitten: Schnippschnapp, Ausschnitt ab! Und die neue Kante mit einer schönen grün-goldenen Borte verstürzt. Da diese nicht dehnbar war, sich also nicht wie ein Schrägstreifen an die runde Ausschnittkante anschmiegte, musste ich einige kleine "Abnäher" einfügen, ich hab das Pi-mal-Daumen gemacht und es hat sehr gut geklappt.
Durch die "Öffnung" des vorderen Bereichs saß das Ganze nicht so gut, und ich habe in der oberen Schulternaht, die recht schmal ist, gut 3 Zentimeter weggenommen. Nun sitzt es perfekt, wurde aber leider am Saum- logisch- auch kürzer. Das ärgert mich sehr, da ich Kleider am liebsten so lang wie möglich trage. Ich werde mir dafür noch eine Lösung ausdenken. Am einfachsten wäre es gewesen, unten die gleiche Borte wie am Ausschnitt anzusetzen, aber leider habe ich davon nicht mehr genug übrig. Mal sehen, was ich da mache. Ein Unterrock in Kontrastfarben wäre eine Lösung, die ich schon lange vorhatte. Kommt Zeit, kommt Rat.
Mit dem neuen, offenen Ausschnitt musste nun natürlich was "Drunter" her. Für die Taverne hab ich eine Chemise drunter gezogen, die frühe Form des Unterkleides. Aber dieser erste "Chemisen-Versuch" ging gründlich in die Hose. Ich habe den Schnitt selbst erstellt, mit Ragalnärmeln und viel, viel Weite an der Ausschnittkante, so dass ich Selbige wie eine Carmenbluse schulterfrei tragen kann. Aber da hab ich des Guten viel zu viel getan, und hatte am Ende so viel Weite, dass ich die Ärmel kaum in den relativ engen Armausschnitt des Kleides quetschen konnte. Das größte Problem war dabei die sehr tief angesetzte untere Ärmelnaht, beziehungsweise die Ansatzstelle an die Seitennaht, sie passte nicht in den erwähnten Kleider-Arm. Wieder was gelernt.
Darum habe ich mir eine neue Bluse gemacht, quasi als Übung für die nächste Chemise. Dazu fand ich einen Schnitt in einer Knipmode vom letzten Sommer. Auch hier muss ich leider wieder Bilder schuldig bleiben, da die Knipmode-Seite kein Archiv anbietet... selber schuld. Ich fand dort einen Schnitt für eine Carmenbluse, allerdings mit sehr geringer Weite am Ausschnitt und im Ärmel. Ich habe dann den Schnitt an der vorderen und hinteren Mitte um jeweils 12 Zentimeter erweitert, und die Ärmel erweitert und aufgedreht. Zu diesem Zweck habe ich den Ärmelschnitt mittig durchgeschnitten, auseinandergezogen und nach unten hin weit auseinandergezogen, das Ganze dann auf einem neuen Papierbogen festgeklebt. Versteht ihr das soweit?
Gut, nach dem Schnitt habe ich dann aus alten Kopfkissen von Oma die Bluse genäht. Das ging ruckzuck, da ich alles mit der Kettelmaschine zusammengekloppt habe. Ich habe alte Kopfkissen genommen, weil ich mir von dem schon hundertmal gewaschenen Stoff eine Weichheit erhofft habe, wie nur alter Stoff sie haben kann. So ein Quatsch! Die recht feste Baumwolle ist heute noch so steif und fest wie vor 50 Jahren. Wieder was gelernt.
Nun ja, der Schnitt ist recht nett, aber immer noch nicht das Gelbe vom Ei. Ich hätte nun wieder gern MEHR Weite, am Ausschnitt und an den Ärmeln. Aber der Effekt, dass die Bluse im Brustbereich schön bauscht (jaja, ich WILL mehr Oberweite mogeln ;-) ) kommt mit dem neuen Blusenversuch schon sehr schön raus. Zu einem mittelalterlichen Markt in Gelsenkirchen, auf dem ich mich mit einigen Clan-Freunden getroffen habe, konnte ich das neue, und doch alte, Outfit ausführen. Und weil ihr so brav alles gelesen habt, hier endlich ein Bild von meinem neuen Ausschnitt.

Die Farben sind gänzlich anders als auf dem ersten Bild, das liegt zum einen daran, dass das Foto kurz vor Sonnenuntergang gemacht wurde, sehr dunkel war, das künstliche Aufhellen die Farben sehr verändert hat UND ich hatte das Kleid in der Waschmaschine versucht blau zu färben, was nicht wirklich gelungen ist, kicher.
Aber ihr seht sehr gut den Effekt, mit dem neuen Ausschnitt eine ganz andere Wirkung zu erzielen, gell? Leider sieht man nicht den ganzen Ausschnitt, der mit der Borte recht hübsch geworden ist. Aber falls ich mal Gelegenheit habe, das Kleid ohne Deko zu knipsen, mach ich das und reiche es nach.
Gestern war ich dann im Stoffladen meines Vertrauens, dem Stoffdschungel in Solingen-Ohligs. Ich hatte per email angefragt, ob Herr Bederke, der Inhaber, einen Stoff vorrätig hätte, mit dem ich feine, weiche Blusen machen könne. Ich habe eine ganz bestimmte Vorstellung, und hab ihm Referenz-Bilder aus dem Internet geschickt. Nun... er HATTE. Und momentan hat der Stoffdschungel solch genialen Stoffe für Sommerkleider oder auch mittelalterliche Zwecke.... ich musste mich sehr sehr beherrschen, nicht den ganzen Laden leerzukaufen. Ich habe dann 2 kleine Stoff-Coupons mitgenommen, und einen ganzen Ballen feinste Baumwolle mit leichtem Borkenkrepp-Effekt. Das werden Blusen, Chemisen, Unterkleider! 22 Meter dürften reichen, oder?
Oh, und weil ein Bekannter nicht nur mich, sondern den ganzen Clan geknipst hat auf dem Mittelaltermarkt, schaut euch auch mal einen Teil unserer Truppe an ( Das nächste Bild hab ich nicht nachbearbeitet):

Und weil wir die schönsten Weiber dies- und jenseits der schottischen Grenze haben, hat Clan-Freundin Nicole, genannt Seana MacMahoon, mit mir posiert. Sind wir nicht tolle Grazien? ;-)

Man sieht auf den letzten Bildern auch unten den nun viel zu kurzen Saum (vergleicht mal mit dem "alten" Kleid auf dem obigen Foto). Fast schon ein Mittelalter-Mini, hihi. Da muss noch was passieren.
So, genug Pseudo-Mittelalter für heute. Wie es mit meiner Chemise weitergeht, verrate ich euch ein andermal.
:-)











