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Freitag, 24. August 2007

Trümmerfrau & Viktoria 2007

Mir wird es niemals langweilig. Denn das Leben hat fast täglich eine Überraschung für mich. Mal eine, auf die ich gut verzichten könnte (so wie die zusammengebrochene Mauer diese Woche) und mal eine, die mir Stoff für Bücher geben könnte... wenn ich welche schreiben könnte.

Gestern wurde ich zur Trümmerfrau, und das war nicht meine Idee, sondern die von allen Nachbarn, die vorbeikamen. In letzter Zeit renne ich ja nur noch mit Kopftuch herum, weil ich meinen Pony rauswachsen lasse, und sonst nichts mehr sehen kann. Und weil all die schönen Ziegelsteine beim Abriss der Mauer in einen Schutt-Container gewandert sind, stand ich den gestrigen Tag in selbigem, mit Hammer und Schubkarre und Kopftuch, um aus dem ganzen Müll die heissgeliebten Steine rauszukloppen.

Nun, fragt ihr euch gewiss, warum kann man Steine lieben? Nun, sage ich euch, diese Steine sind nicht einfach Steine. Mein Onkel hat gestern das Alter der vergammelten Wand auf gut und gerne 200 Jahre geschätzt. Und das bisschen Lehm, welches noch in die Wandeingearbeitet war, war bestimmt genauso alt. Doch im Laufe dieser Jahre wurden Teile der Wand ausgemauert, und dabei kamen Ziegel zum Einsatz, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Manche sind aus groben, porösen Gestein, andere sind eher tönern und ganz krumm. In einigen sieht man das eingearbeitete Stroh, und wieder andere scheinen aus Mörtelresten zusammengepappt zu sein.

Aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass einige der Ziegel ein längst verstorbener Vorfahr von mir eigenhändig geformt und gebrannt hat. Und wenn nicht er, dann hat er sie auf jeden Fall eingemauert. Als mein Großvater geboren wurde, stand die Mauer schon. Und wäre diese böse Bombe im WW2 nicht auf das Haus gefallen.... wäre mehr erhalten geblieben als nur diese eine Wand.

Nun, ihr versteht jetzt gewiss, dass man DIESE Steine nicht wegwerfen kann, oder? Also hab ich sie "gerettet". Und als ich so beschaulich vor mich hinklopfte (mein Arm tut immer noch weh) kamen Onkel und Nachbarn des Weges. Und jeder ergötzte sich an dem urkomischen Scherzchen "Die Bärbel als Trümmerfrau, hahaha". Und ich WETTE, da guckt oben einer zu!

Ich will mich nicht auf eine Stufe stellen mit den hart arbeitenden Frauen im Nachkriegsdeutschland. Nach einem Tag Steine kloppen ist mein rechter Arm nur noch "aua", wie mögen sich die Frauen in den ausgebombten Städten wohl gefühlt haben? Steine kloppen aus der Not geboren, das ist mir erspart gelieben. Ich habe den Luxus, diese Steine aus "Spaß" zu bergen, aus Sentimentalität. Die schmutzigen Klamotten kommen in die Waschmaschine und dann ab in den Trockner. Sauber werde ich unter der Dusche. Wieviel leichter ist mein Leben, im Vergleich zu einer Trümmerfrau? Ich musste immerzu daran denken, als ich im Schutt gewühlt habe. Aber ich habe meine Steine. Wenn ich eine Idee habe, was ich damit tun kann..... dann zeige ich es euch.

Noch eine historische Figur möchte ich aus der Versenkung ziehen: Queen Viktoria. Sie prägte - wie wir alle wissen - das viktorianische Zeitalter. Und aufgrund ihrer Lebensumstände wurden düstere, fast traurige Farben "en vogue", denn sie trauerte (so die Historiker) ihr Leben lang um ihren früh verstorbenen Gatten. Und weil damals die Königshäuser die Modetrends vorgaben, war Prüderie und Zurückhaltung angesagt. Und gedeckte Farben, im Grün-Rot-Spektrum.

Daran musste ich sofort denken, als ich die neuen Kinderkleider in der aktuellen Burda sah. Viktoria!

 

Kindermode Burda 09/2007

 

Das ganze Styling hat was von 1850-1900, eventuell auch bis 1920, was Kindermode angeht bin ich nicht so bewandert, ich entscheide das aus dem Bauch heraus. Auf jeden Fall sind die Farben sehr gedeckt, was ich untypisch für Kinderkleidung finde. Und ich würde meine Kinder auch niemals nicht mit sowas einkleiden.

Ja, warum finde ich die Sachen dann so schön? Weil ICH die haben will, in meiner Größe. Ich dachte gleich "hey, mach ich ein Projekt draus". Quasi "Kindermode in Erwachsenengröße" oder so. Aber angesichts der diversen Projekte, die ich niemals fertig bekommen habe, will ich nicht das Maul schon wieder aufreissen. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich behalte das im Auge. Kleid, Unterrock und Jacke in meiner Größe zu machen, wäre nicht das Problem. Der Stoff schon eher, denn ich kann ja nicht einer gewissen Blognachbarin den Stoff-Vorrat klauen. ;-)

Wenn ich meine von der Renovierung arg strapazierten Finanzen wieder ins Lot gebracht habe, statte ich meinen beiden Lieblings-Stoffgeschäften mal einen Besuch ab, mit der Burda in der Hand. Ich war auch etwas traurig, dass die Stoffe der Kindermode nicht von Burda mit der Bezugsquelle verlinkt wurden, aber bisher habe ich ohnehin noch keinen der Alfatex-Stoffe bestellt, aus denen die erwachsenen Modelle gemacht wurden, also kann ich hier auch gut drauf verzichten.

Findet noch jemand die Kinderklamotten in der Burda 9/2007 so schön? Oder bin ich mal wieder alleine neben der Spur? Viele der Gothic-Fans lieben ja die viktorianische Mode, aber dieses ewige Schwarz geht mir echt langsam auf den Keks.

Eure Bärbel 

Geschrieben von snowwhite um 10:23 Uhr in Privates
   

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