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Dienstag, 4. Dezember 2007

kill fashion

das Internet- eine endlose Reise. Ohne Anfang, ohne Ende. Ohne Karte, ohne Ziel. Keine Wegweiser, oder feste Routen. Heute geriet ich wieder auf eine dieser unerwarteten Reisen, bei denen man an Orten landet von denen man zu Beginn der Reise nicht einmal etwas geahnt hat.

Meine Tochter schaute sich mal wieder online eine ihrer Serien an, diesmal "The IT crowd". Urkomisch. Wer nicht recht gut englisch versteht, muss es sich nicht antun, ich verstehe auch nur die Hälfte. Aber die eine Hälfte ist gut.

Mitten in einer Folge reissen wir beide die Augen auf: Ein Plakat. Darauf steht "Home sewing is killing fashion" Kennt ihr dieses Jux-Plakat, in dem behauptet wird dass das heimische Aufzeichnen von Musik die Musikindustrie tötet? "Home taping is killing music" heisst es da, und es gibt sogar einen Wikipedia-Eintrag dazu: Klick.

Nun, wie jedermann weiss hat die Aufzeichnung von Musik auf Kassetten diesen Industriezweig nicht getötet, und mit Downloads werden heutzutage wahrscheinlich sogar mehr Umsätze gemacht als in der guten alten Zeiten des Grammphon. Also alles Mumpitz. Und dass nun das "Nähen zu Hause die Mode tötet" ist natürlich auch nicht ernst gemeint.

Wenn ihr auf das Logo rechts klickt, kommt ihr zum Urheber des Spruches, Otto von Busch. Ich kenne den Herrn erst seit ein paar Stunden, was nicht auf Gegenseitigkeit beruht. ;-) Aber was er sagt, das klingt hochinteressant. Die herkömmliche Art von "Mode" finde ich ohnehin gähnend langweilig und überholt. Laut Wikipedia unterliegen Moden einem Wandel aufgrund gesellschaftlicher Prozesse. Aber warum muss ich mich dann so und nicht anders kleiden? 

Ihr kennt ja meine Marotte, sich JEGLICHER Modestile bedienen zu wollen, egal wann und wo. Ausschlaggebend ist NUR mein eigener persönlicher Wille, mein Geschmack und meine Laune(n). Mit Schleppe in den Aldi oder im Badeanzug zur Oper, warum auch nicht? So lange ich kein öffentliches Ärgernis errege, soll es meinen Mitmenschen doch egal sein. Und ein solches zu erzeugen, das dürfte in der heutigen Zeit schwer sein.

Wer hat in der Geschichte die Mode vorgegeben? Erstens: Die Witterung. Die alten Griechen wären schlecht beraten gewesen, sich statt in einer lustigen Toga in Fell und Filz zu kleiden. Und im den dunklen Wintern Skandinaviens ist ebendiese Toga tödlich. Dann kam die Oberschicht. Und wollte sich abgrenzen. Seitweise war es sogar verboten, die gleichen leuchtenden Farben wie der Adel zu tragen, unteren Schichten waren unansehnliche Stoffe und Farben vorgeschrieben, ja sogar die Menge des verwendeten Stoffes. Wer würde sich heutzutage noch vorschreiben lassen, welche Farbe er tragen soll? Oder wieviel Stoff?

Niemand, würdet ihr sagen? Ja, aber warum rennt denn dann alles in die Läden und kauft lang, kurz, orange mit braun oder Lila? Ich weiss es nicht. Um sich abzugrenzen. Aber wovon? Von den anderen, von der Masse jedenfalls nicht, denn die kaufen ja alle das gleiche Zeug. Da hilft nur... ja was? Woanders kaufen? Natürlich nicht. Selbermachen. Jau! Aber bitte was anderes, nicht was alle machen. Oder was alle machen, wenn man wie alle sein will. Doch niemand ist wie alle, jeder Mensch ist einzigartig. Darum sollte das auch jeder ausdrücken. Wenn er/sie kann, heisst das.

Nun, wir Hobbyschneider können. Und irgendwie hoffe ich ja auch, dass der Spruch sich bewahrheitet. Dass das "heimnähen" die Mode tötet. Damit sie auferstehen kann. Der Phönix aus der Asche sozusagen. Jeder hat seine eigene Mode.

OK, bei 8 Milliarden Menschen (wo stehen wir überhaupt im Moment?) ist es schier unmöglich, etwas zu gestalten, was kein anderer hat, ist ja logisch. Aber wir müssen auch nicht alle gleich rumlaufen, gell?

Schaut euch mal den Link vom "home sewing is killing fashion" an. Ich bin mir momentan nicht ganz sicher, ob es eine Verballhornung ist, oder ob dieser Otto das ernst meint. Je mehr ich drüber nachdenke, finde ich man sollte das in die Tat umsetzen. Burda kann dabei helfen, wenn sie nicht immer so am Rockzipfel der Modedesigner kleben würden.

Aber ich sehe auch, dass die Community hier und in USA (burdastyle) daran arbeitet, die fashion zu verändern, eine eigene, sehr individuelle Kreation daraus zu machen. Mag Otto von Busch diese Mechanismen wissenschaftlich erforschen, was sehr lobenswert ist, mich persönlich interessiert nur meine eigene Sicht auf Mode, und die ist ebenso naiv wie anders. Prinzessin oder Fee, Hauptsache hübsch. Warum auch nicht? Kein Modelabel mit Gewinnabsicht oder kein Hochadel kann mir vorschreiben, was ich anziehen soll. Höchstens die Jahreszeit. Wie sagt man so schön? "Es gibt kein falsches Wetter, nur die falsche Kleidung"

In diesem Sinne gehabt euch wohl, und zieht doch an was ihr wollt. Und dann erzählen wir es Otto. Nicht dem Versand. Die wollen nämlich, dass wir alle gleich aussehen. ;-) 

 

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Geschrieben von snowwhite um 18:10 Uhr in Fashion
   

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