Montag, 27. Oktober 2008
Crossovers
« Burda 11/2008 | Hauptseite | Bimmelbammelbommel »Ich bin 47 Jahre. Mindestens 40 davon bastle ich. Aber bewusst wurde es mir erst mit etwa 20 in Frankreich. Dass meine Hände nicht stillstehen können, dass von der inneren Welt, den Gedanken und Ideen, ein steter Fluß nach außen dringt und etwas erschaffen will und muss.
Das klingt dramatisch, ist aber einfach: Ich muss basteln, ich kann nicht anders.
Bei meinem ersten Urlaub ohne Mama und Papa im Ausland verschlug es mich mit ein paar Schulfreunden in die Normandie. Auf dem Zeltplatz lagen dicht an dicht lange Piniennadeln auf dem Boden vertreut. Ich musste meine Hände machen lassen... und am Ende hatte ich ein kleines Sortiment geflochtener "Deckchen", so lang und breit wie eben Piniennadeln sind. Als wir mit Rucksack und Eisenbahn weiterzogen, mussten sie zurückbleiben.
Ich habe noch sehr oft an meine Piniendeckchen gedacht. So haben Menschen ihre ersten Wohnraumdekorationen und Gebrauchsgegenstände gefertigt: Man nahm was grad rumlag. Später haben Menschen dann auch Einfluß auf Rohstoffe und Materialien genommen, und am Ende der Entwicklung stehen wir. Mit Hightech und intelligenten Kühlschränken. Aber meine Piniendeckchen sind mir mehr wert als alle Hochglanzprodukte. Haben sie mir doch gezeigt, dass man aus allem etwas machen kann. Und: meine Hände wollen gestalten. Irgendwas.
Seit diesem Urlaub wurde mir nach und nach klar, dass es Last und Gabe zugleich ist, wenn man ständig irgendwelche Dinge in einem neuen Zusammenhang sieht. Aus einer Baumnadel wird ein Flechtwerk, aus einer Schuhsohle ein Druckstock.
Darum haben meine Hobbies auch nie klare Grenzen. Alles lässt sich mit allem kombinieren. Stempeln mit Nähen, Nähen mit Larp (logisch) und Häkeln, aus der Häkelnadel mache ich mir schicke Haarnadeln und die Malerei mit Öl und Airbrush liefert mir Vorlagen für die Gestaltung von Stoffen und Kleidung.
Nur zwei meiner Leidenschaften konnte ich bisher nicht vereinen: Stempel und Häkeln. Das hat mich gewurmt. Auf der kürzlich besuchten Stempelmesse hatte ich dann eine ulkige Idee, wie man beides verbinden kann, die aber sehr an den Haaren herbeigezogen ist, und auch noch der Umsetzung harrt.
Aber heute sah ich im Internet ein Kleidungsstück, welches mich geradezu elektrisiert hat. Eine Weste mit Häkeln und Stempeln.
Gut, beide Techniken zu kombinieren ist naheliegend, ich selbst habe schon auf Stoff gestempelt und auch Häkelapplikationen auf Jeans gepappt. Aber beides auf einem Teil zu basteln, das ist clever und bietet wieder viele neue Möglichkeiten.
Schaut mal da: StempelHäkelWeste Ist die nicht hübsch?
Nach dem Ursprung der Weste gesucht fand ich diese Seite: StempelHäkelKlamotten
Teures Jäckchen, aber mir sprang auch gleich der Verweis ins Auge: Altered Couture. Das ist ein amerikanisches Magazin, welches sich mit dem Verändern von Kleidung beschäftigt. Man könnte auch refashion dazu sagen, aber ich bin mir nicht sicher ob dieser Begriff zu eng definiert wird. Auf jeden Fall ist das Magazin eine Offenbarung für Kreative.
Und damit ich nicht ganz mit leeren Foto-Händen dastehe, ein paar alte Bilder von mir mit Häkeln auf Jeans und Stempeln auf Jeans, nur beides zusammen.... das habe ich NOCH nicht umgesetzt.
....Jetzt muss ich nur noch beides auf einem Kleidungsstück machen, und fertig ist der "Crossover", die Verbindung zweier Genres miteinander.
Ulkig. Erst beim Korrekturlesen fiel mir auf, dass an der bestempelten Jeans sehr wohl schon etwas Gehäkeltes zu finden ist: Ich habe die zu kurze Jeans mit ein paar Reihen Häkelbordüre verlängert. Aber da das Gehäkelte kein Design-Element der Jeans war, sondern nur Mittel zum Zweck, nehme ich es nicht mehr wahr. Ulkig.













