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Dienstag, 11. November 2008
Wer mich kennt, kennt auch meine militante Einstellung zum Thema Konsum und Do it yourself. Letzteres liebe ich, Ersteres hingegen greift leider immer mehr um sich, Passivität in vielen Dingen vom Klamottenkauf bis zum regiert werden. Und eine ganz neue Facette der Passivität und der Kommerzialisierung ist der Rheinische Karneval. Auftrittskräfte verlangen Gagen jenseits von gut und böse, Zeitpläne sind auf die Minute genau vorgegeben und - wie neulich im Städtchen auf einer Art "Vor"-Karneval erlebt - werden die Büttenreden auch nicht besser... eher tiefer, und zwar unter der Gürtellinie. Mag sein die Gagen haben eine gewisse Eigendynamik: Fahrzeuge sind zu bezahlen, Werbung zu betreiben und vor allem ruht der "normale" Job während der fünften Jahreszeit. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass niemand mehr zu wissen scheint, wie man richtig feiert. Preisgünstig. Und von Herzen. Als bekennende Konsumgegnerin wurde kürzlich mein Augenmerk auf das Thema Karneval gelenkt. Eigentlich bin ich gar kein Karnevalsjeck, ausser um mich lustig zu verkleiden. Doch diese Session wird alles anders! Denn in der letzten Sitzung des Heimatverein, dessen mutmaßlich jüngstes Mitglied ich nun bin (!), ging es um das Thema Karneval. "Ach herrje" war mein erster Gedanke. Denn der klassische Karneval beinhaltet für mich saufen und 6. Schenkelklopfender Humor. Abgründe. Es sollte anders kommen, denn die neuen Kollegen vom Verein taten das, was sie bei den Vereinssitzungen immer tun: Sie erzählen von früher. Das klingt nun etwas abwertend, aber ich liebe es! Geschichte ist nur tot, wenn die Menschen sie nicht mehr aus eigener Erfahrung erzählen können. Im Heimatverein ist sie dagegen quicklebendig, und ich genieße es sehr. Diesmal ging es aus gegebenem Anlaß um das Thema Karneval, und ich bekam so manche schöne Geschichte über Leichlingen und sein jeckes Brauchtum zu hören. Und vor allem die Meinung solcher "Alt"-Leichlinger zu dem Karneval, wie er heute ist. Siehe oben. Der Vorsitzende des Vereins rief dann alle dazu auf, einen Karneval "wie früher" auf die Beine zu stellen. Das Problem ist leider, dass nicht alle Mitglieder noch fit genug sind, um es so richtig krachen zu lassen. Und ratet mal, wen der Vereinschef dann ohne mit der Wimper zu zucken als Büttenredner auserkoren hat? "Unsere Bärbel". Angesteckt von der genialen Idee, den Karneval wieder zu seinen Ursprüngen zurückzubringen, habe ich mich nicht bitten lassen und ein Kopfnicken brachte mich nun in die Bütt 2009. Zu Hülfe. Die folgende Nacht konnte ich kaum schlafen. Meine anfängliche Idee, eine Karnevalsprinzessin zu basteln, die "nix kostet" und damit den fehlenden Prinz zu ersetzen, war zwar ein netter Ansatz, nimmt er doch grade die kostenintensive und in diesem Jahr erfolglose Prinzensuche auf´s Korn. Ich könnte mir ein Krönchen aus einer Konservendose basteln und eine Prinzessinnen-Robe aus Altkleidern. Für Hobbyschneider gar kein Problem! Aber wenn das Kostüm am Ende aussieht wie ein Lumpensack fällt das negative Image auf den Heimatverein zurück und das wollte ich nicht riskieren.... Also kam mir meine Schankmaid in den Sinn, die ich ja sowieso schon öfters im Larp gespielt hab. Und mit dem blauen Rock vom Heimatverein wurde im Handumdrehen die "Bergische Schankmaid" draus. Und die wird sich mit ihrem Thekenlappen durch die Session 09 wischen, freche Sprüche kloppen und in der Bütt "reinen Tisch" machen. Mein Problem wird nur sein: Wen nagel ich an die Wand? Die Politik? kenn ich nix von. Die Leichlinger Bürger? Die hab ich doch gern. Den Karneval selbst? Das müsste gehen. Schaun wir mal. Sehen wir uns in der Bütt? Wann und wo ich baden gehe, steht hier: Artikel des Kölner Stadtanzeiger vom 11.11.08 zum Thema Karneval in Leichlingen Lesen! Denn in dem Artikel steht wunderschön formuliert, woran es hapert und vor allem: Wie man in Leichlingen früher Karneval gefeiert hat! Mit Herz. Und dem ein oder anderen Bierchen ;-)
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Karneval
Leichlingen
Geschrieben von snowwhite um 08:26 Uhr in Heimat
Sonntag, 9. November 2008
So, nachdem ich den vorgestrigen Abend mit Fummelskram, und den letzten mit Blogdesign und den heutigen Tag ebenfalls mit Blogbasteln vertrödelt habe, muss ich mal was produktives tun: Bloggen! Ich habe vorgestern kleine Beutelchen genäht, die ich vorher bestempelt hatte. Alles in allem keine große Sache, aber 22 Beutelchen zerren an den Nerven wenn man die gleiche Handbewegung immer und immer wieder machen muss. Lang-wei-lig! Aber ich hab mich auf diese Bastelei schon ein Jahr lang gefreut, denn wir sind ja im vergangenen Jahr in das Haus meiner Oma gezogen. Und die hatte für die Martinskinder immer kleine Tütchen abgepackt, damit alle Kinder das gleiche bekommen. Dabei muss ich immer an meine eigene Kindheit denken: Ich wohnte in diesem winzigen Ortsteil von Leichlingen, und die kleine Schar der Kinder ging einmal im Jahr mit ihren Martinslaternen von Haus zu Haus. Am Ende der Wanderung kehrten wir immer im gleichen Haus ein, und alle Kinder schütteten ihre Beute auf den großen Küchentisch. Die Mutter des Hauses half beim Verteilen. Diesen Anblick vergesse ich meinen Lebtag nicht: Ein ganzer Tisch voller Süßigkeiten, und ein gerechter Anteil sollte mir gehören! Heute kann ich mir im Supermarkt so viele Leckereien kaufen wie ich will, aber es ist- ihr alle wisst es selbst- nicht das Gleiche. Beute ist etwas Besonderes, und kaufen kann jeder. Als ich nun wieder in die Heimat gezogen bin, gab es die Tradition der Verteilung schon lange nicht mehr. Und auch wenn die Großen an der Tür immer darauf achten, dass es gerecht zugeht... die niedlichen Kindergesichter bekommen bestimmt die ein oder andere Tafel mehr zugesteckt. Im Grunde ist es nicht so wichtig, kein Kind kommt zu kurz in unserer kleinen Siedlung. Aber ich bin halt pingelig wenn es um Gerechtigkeit geht. Ich schätze die Zahl der zu erwartenden Kinder, erhöhe um 5, und mache Tütchen. Wie meine Oma. Letztes Jahr hatte ich kleine Cellophantüten mit goldenen Sternen gekauft, mit grünen Papierschnipseln ausstaffiert und mit Süßkram gefüllt. Anbei auch ein Trinkpäckchen, denn die Kinds bekommen massenhaft Süßes, aber selten was zu trinken. Doch ich wollte dieses Jahr etwas individuelles machen, etwas mit... na ja, Liebe halt. Und so habe ich einen alten Bettbezug von Oma zerschnippelt und bestempelt. Und weil ich zuuufällig auch Stempel mit St. Martins-Motiven habe, kamen die halt auf den Stoff. Es hat Spaß gemacht, auch wenn ich nun rumjammere wie fummelig es war. Un nächstes Jahr nehme ich noch schöneren Stoff..... damit jedes Kind das Gleiche bekommt. Denn ich vermute, auch St. Martin hat den Mantel genau in der Hälfte geteilt, und nicht ein Drittel rechts und zwei Drittel links, oder? ;-) 
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St. Martin
Geschrieben von snowwhite um 16:19 Uhr in Heimat
Dienstag, 30. September 2008
Man könnte es merken, wenn man alle Einträge hier verfolgt: Ich habe mich zur Zeit auf das Thema Heimat konzentriert. Dass ich in den Heimatverein eintreten werde, habe ich ja schon erzählt. Warum und wieso erzähle ich noch. Auch die Info über das wunderschöne Haus bei mir um die Ecke (älteste Haus im Rhein.Bergischen Kreis) liefer ich noch nach, schließlich hat das Haus 500 Jahre da gestanden, da kann der Bericht auch noch ein Weilchen warten. Heute habe ich die ersten Kleidungsstücke vom Heimatverein bekommen. Ein blau-weiß gestreifter langer Rock, eine weinrote Weste, ich trage dazu eine weisse Bluse. Recht simpel, denn in Ermangelung einer eigenen Tracht hat der Heimatverein sich diese Kluft ausgedacht. Die Frauen tragen Röcke aus dem blau-weißen Stoff aus dem die Hemden der Herren gemacht sind. Das ist völlig unauthentisch, aber im Bergischen Land gibt es ausser der "Leverfrau", der für Solingen typischen Lieferfrau von Schneidwaren, keine historisch überlieferte Kleidung. Ein bisschen frustrierend für einen Klamotten- und Kostümfreak wie mich. Aber ich passe mich dem Erscheinungsbild des Vereins an, und versuche dann klammheimlich die Kleidervorschriften zu unterwandern. Ich habe Zeit. Denn ich gedenke, dem Verein für viele Jahre treu zu bleiben. Und ich hoffe, vielleicht doch noch irgendwo Hinweise auf lokale Besonderheiten in der Kleidung zu finden. Meine Nähfreundin Aud hatte jede Menge Ideen, wie ich den Leichlinger Modegeschmäckern vergangener Epochen auf die Spur kommen kann. Als eine Reenacterin der ersten Stunde weiss Aud wovon sie spricht. Und nach dem Gespräch mit Aud wurde mir klar, dass die Leichlinger Geschichte sogar weit bis zurück ins Mittelalter reicht, Sagen und Legenden ranken sich um Orte und Auen. Wenn sich da nichts draus basteln lässt! Aber erst einmal habe ich meinen ersten offiziellen Termin mit dem Heimatverein auf dem Leichlinger Obstmarkt. Wir schmeissen uns in die "Tracht" und gehen gemeinsam am Samstag gegen 15 Uhr zum Obstmarkt. Dieser Bauernmarkt hat eine lange Tradition und wird alleine schon eine Blogseite füllen. Aber dort mit dem Heimatverein aufzuschlagen wird auch für mich eine völlig neue Erfahrung sein. Und weil ich wie immer die Klappe so weit aufreisse, darf ich auch gleich bei meinem ersten Termin ein Gedicht aufsagen. Umpf. Ich meine.... reden kann ich ja, aber vor so vielen Leuten? Bestimmt ist dann niemand da um zu erleben, wie ich mich blamiere. Gnädigerweise haben die Mädels vom Verein mir ein Gedicht auf hochdeutsch gegeben, denn in Mundart würde ich nicht nur mich, sondern gleich den ganzen Verein der Lächerlichkeit preisgeben. Man darf sich also auf dem Leichlinger Obstmarkt am Samstag zum frühen Nachmittag auf Perlen der Weisheit freuen, klein Bärbel im Heimatdress sagt ein Gedicht auf. Wie bin ich da nur wieder reingeraten? Link zur offiziellen Seite der Stadt Leichlingen: Obstmarkt
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Geschrieben von snowwhite um 19:40 Uhr in Heimat
Donnerstag, 18. September 2008
Es ist nun schon 4 Tage her, dass im Rahmen des Tag des offenen Denkmals ein altes Haus bei mir um die Ecke geöffnet hatte. Unter dem Titel "Expedition Heimat" hat der Rheinisch-Bergische Kreis eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, bei der die Gemeinden jedes Jahr ein Thema zugewiesen bekommen und dieses mit örtlichen Sehenswürdigkeiten umsetzen. Die Themen wandern dann reihum, und jede Stadt zeigt, was sie zu dem gegebenen Thema zu bieten hat. Leichlingen hatte das Thema "Bänder, Scheren und Papier" auf´s Auge gedrückt bekommen, ein Thema bei dem selbst der Stadtverwaltung nicht viel einfiel. Zumindest nicht in der Blütenstadt, denn so wird mein Heimatdörfle liebevoll von den Einheimischen genannt. In der Nachbarstadt Solingen sind die Scheren ja quasi erfunden worden, aber in Leichlingen??? Doch aus der Not wurde eine Tugend gemacht, und das älteste Haus im Kreis öffnete erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit. Das Haus wurde vor fast genau 500 Jahren gebaut. Ich hatte keine Ahnung, dass in meiner Nähe ein so altes Haus steht, denn ich bin ganz vernarrt in alte Dinge. Die "Expedition" begann im Stadtpark , und als ich dann nach einer Wanderung im Kreise Denkmalbegeisterter wieder in der Ortschaft meiner Kindheit und fast an meinem Wohnhaus ankam, habe ich nicht schlecht gestaunt: Das älteste Haus im Rheinisch-Bergischen Kreis ist genau das Haus, in dem ich als Kind bei dem Großonkel gespielt habe. Himmel! Ich habe heute noch die schiefen Dielen in Erinnerung. Als Kind fand ich es lustig, wenn man ständig das Gefühl hatte auf und ab zu gehen, so krumm war der Fußboden. Müßig zu sagen, dass der Boden auch heute noch schief ist, zumindest im Obergeschoss. Denn immerhin wurde das Haus nach denkmalschützerischen Aspekten renoviert und saniert. Und ich wurde mit einer gehörigen Portion Neid erfüllt, als ich das Innere sah. Ein Traum! Doch zuvor gab es eine Ansprache des Bürgermeisters, Ernst Müller. Wir haben einen Bürgermeister (rechts), der in einer Rockband spielt! Aber zum Tag des offenen Denkmals gab es ganz andere Flötentöne, und die am Denkmal interessierten Gäste bekamen einen Hörgenuss der besonderen Art: Bergische Dudelsackmusik. Die Band heisst "Spillück" wobei sie das "ü" eigentlich als "y" mit Punkten obendrauf schreiben, aber das gibt meine Tastatur nicht her. Tief versteckt auf der Website der Gruppe findet man Demo-Stücke. Hört sie euch mal an, mein Favorit ist dieses Stück : "Wij leven vrij", wir leben frei. (Unbedingt bis zu Ende hören!) Der erste Teil wurde von einem Musiker aus Witzhelden (heute Leichlingen) geschrieben, der auch die holländische Nationalhymne geschrieben hat. Damit ist es auch schon vorbei mit meinen Musikkenntnissen. Im Namen des zweiten Teils kommt der Name meiner Tochter vor. Yeah! Ich hatte mir das Stück per email bei den Spielleuten vorab gewünscht, und was denkt ihr? Sie haben es 2 (!) mal gespielt! Danke Rafael, Christian und Thorralf (eine Ruthilde habe ich am Sonntag nicht gesehen) Ach, es war ein so wunderbarer Tag, und mit Hausbesichtigung, Dudelsackmusik und freiem Leben war er lange noch nicht vorbei. Weiter geht es hier demnächst mit Expedition Heimat 1.2 ;-) Dann erzähle ich euch von den Grabsteinen im Keller und den Scherben auf dem Acker.
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Geschrieben von snowwhite um 14:44 Uhr in Heimat
Dienstag, 2. September 2008
Oh oh, da hab ich die Bayern beleidigt. Das wollte ich ja gar nicht, denn ich unterschiede zwischen Menschen und Tradition. Ich habe schon unangenehme Zeitgenossen aus dem Rheinland erlebt, ebenso nette Südländer. Aber ich kann absolut verstehen, wenn jemand seine Heimat liebt. Denn ich liebe meine über alles. Schon im vergangenen Jahr hatte ich geschrieben, dass ich nun dort bin wo ich hingehöre. Oft wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich wie im Zeitraffer all die Bilder der letzten fünf Jahrzehnte an mir vorbeiziehen. Die alten Gebäude, die nicht mehr sind. Die Obstbäume, der riesige Walnussbaum wo schon lange ein Haus steht. Die Schneeglöckchenfelder auf den Wiesen, auch dort wohnen schon lange Menschen, und man sieht wenig Glöckchen. Bäume und Gebäude mussten neuen Gebäuden weichen, die alte Schotterstraße wo man im Winter so gut rodeln konnte wurde zuasphaltiert und so viele schöne Dinge gibt es nur noch in der Erinnerung. Aber eines kann niemand abbauen, einreißen oder zerstören: Diesen Flecken Erde. Der Dreck aus dem wir gemacht sind. Als meine Oma noch lebte und mich an einem Sommertag schwitzend im Garten buddeln sah, sagte sie "Du liebst das Land." Ich weiß nicht, ob sie es wusste oder ob es eine Frage war. Ich habe nie geantwortet. Was ist das Land? Die Erde die ich umgrabe? Was darauf wächst? Was jemand darauf gebaut hat? Die Menschen die darauf wohnen? Wenn ich mich in meinen Garten stelle und umsehe, sehe ich das Land. Die sanft abfallenden Hügel, ferne Höhen und das satte Grün. All die Schattierungen einer Farbe, die das Leben symbolisiert. Hellgrün, dunkelgrün, gelbgrün, tannengrün, grün, grün, grün. Diese blöden Grashalme die schneller wachsen als ich sie mähen kann, scheinen mir zu sagen: "Ätsch, da sind wir wieder" und ich führe ein schalkhaftes Zwiegespräch mit dem hartnäckigen Grün. "Warum wächst das so schnell?" Vielleicht will es mir eine Freunde machen. Noch mehr Grün. Dann schaue ich weiter, und sehe Bäume, die mein Großvater eingepflanzt hat, der vor 20 Jahren verstorben ist. Soll man darum einen Baum pflanzen? Damit etwas bleibt auch wenn man selbst längst zu Staub zerfallen ist? Die Nachkommen erinnern sich, doch auch diese Erinnerung stirbt mit ihnen. Der Baum steht immer noch. Jedoch auch wenn der Baum gefällt und vergangen ist, das Land ist noch da. Nur schwer kann der Mensch Hügel abtragen oder Flüsse trocken legen. Die nahe Wupper war bis vor kurzem ein dreckiges Rinnsaal, doch Dank beherzter Anwohner ist sie stellenweise eine Oase der Ruhe und Besinnung, wenn man sich nur darauf einlassen möchte. Und man kann sogar darin baden, wenn man das unbedingt will. Ob ich das Land liebe? Ja, diesen Flecken liebe ich. Wenn es gestattet wäre, möchte ich hier begraben werden, in meinem Garten. An dem Ort wo ich geboren bin, aufgewachsen, gelernt habe, mich verliebt habe und den ersten Kuss bekam. Wo meine Kinder spielten, die besten Kirschen wachsen, im Frühjahr die Kastanie blüht und das Gras schneller wächst als mir lieb ist. Aber ich weiß nichts über diesen Ort. Er existiert ja nicht nur seit meiner Geburt. Darum werde ich mich nun auf die Suche machen, woher ich komme und welche Menschen hier vor mir gelebt haben. Ob diese Menschen die romantischen Gefühle für ein Land entwickeln konnten, das sie mit knapper Not ernährte kann ich nicht sagen. Es wird gewiss auch fette Bauern gegeben haben. Aber egal ob reich oder arm, sie haben die gleichen Hügel gesehen und in der Ferne die Rheinische Tiefebene. Heute kann ich dort- nicht weit von meinem Haus- zur Rechten den Düsseldorfer Fernsehturm sehen und zur Linken den Kölner Dom. Beides auf einmal, friedlich nebeneinander. Und ich in der Mitte. Auf dem Berg. Im Bergischen. Land. Und wie ich es liebe! Klick auf´s Bild und zoomen!
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