Dienstag, 26. August 2008
Handwerkermarkt geschafft
« Nichts vornehmen für den 24.08! | Hauptseite | Handwerkermarkt Nachtrag »Es ist geschafft! Der Handwerkermarkt ist erledigt und ich war es auch. Messestände habe ich schon viele gemacht, hatte aber im Vorfeld immer zahlreiche Helferlein. Diesmal kamen die Helferlein erst am Tag des Marktes, und ich musste ganz mutterseelenallein planen und vorbereiten. Na gut, nicht ganz allein, mein armer Ehemann musste den Pavillon, den ich als Stand vorgesehen hatte, einmal mit mir probeaufbauen und wieder abbauen und wieder aufbauen und wieder abbauen.
Und ich habe auch gleich eine Menge Fehler gemacht, und habe jetzt Stand-Verbot von meinem Gatten bekommen. Verständlich, denn der von mir auserkorene Stand war eigentlich ein Gartenpavillon, der Wind und Wetter trotzen soll, und nicht nur einem kleinen Regenschauer. Also muss man das Ding so aufwendig aufbauen, dass es fast schon einen Schlosser braucht. Nie wieder einen schmiedeeisernen Gartenpavillon als Marktstand. Aber dafür hatte unser Stand viel Stil!
Gefüllt haben wir ihn mit allerlei schönen Dingen. Traumhaften Pullovern, ulkigen Mützen und hübschen Wollknäulen. Die beiden Bücher vom frech-Verlag, von denen ich in den letzten Wochen so viel erzählt habe, lagen zum Verkauf bereit, Michael Weinreich hat signiert. Und gestrickt. Doch davon später.
Mit von der Partie neben Michael war auch meine liebe Aud. Und weil Aud eine perfekte Planerin ist, wollte ich auch alles so gut wie möglich vorbereiten: Tische, Stühle, Essen, Kaffee, Tassen, Tischtücher, Stand-Deko... alles dabei. Aber wie immer fand sie wieder ein Detail das ich vergessen hatte. "Wo sind denn Deine Sachen?" Meine Sachen? Ich habe Infozettel geschrieben und kopiert, Werbung für Strickforen und Initiativen vorbereitet, alles nett hergerichtet, aber warum um Himmels willen soll ich meine Sachen da hinstellen?
Ok, ich bin doof. Bisschen mehr Eigenwerbung wäre nicht schlecht gewesen. Aber wofür bloß? Das 1-Knäuel-Buch lag auf dem Tisch, meine blog-Adresse auf dem Infozettel. Also wird es hier in Kürze noch mehr Leser geben, lach.
Aber mir war es wichtig, für "die Sache" Werbung zu machen. Die Sache ist das Selbermachen. Selbermachen in all seinen Spielarten ist meine Manie und mein Fokus. Selbermachen ist Ausdruck meiner Selbst und Mittel zum Zweck. Selbermachen ist schön und soll es für andere auch sein. Darum kann ich es nicht lassen, andere zum Selbermachen zu überreden.
Am Sonntag lag das Augenmerk auf dem Selbermachen von gestrickter und gehäkelter Kleidung und Accessoires. Dabei habe ich das große Glück, liebe und fachkundige Menschen zu kennen. Aud und Michael verstehen ihr "Handwerk" und können es anderen näher bringen. Ich habe versucht es den beiden gemütlich zu machen, damit sie "meinen" Leichlingern die Leidenschaft für´s Selbermachen näher bringen.
Aber was soll ich sagen? Bis auf ein paar sehr, sehr nette Leichlinger und Marktbesucher von außerhalb, war ich sehr enttäuscht von den Blütenstädtern. (Unsere Stadt nennt sich auch sehr selbstbewusst "Blütenstadt" ) Wie oft haben wir "Oh, der Mann strickt ja" gehört. Sowas Unverschämtes. Als wenn ein Mann zu blöd, ungeschickt, unmotiviert oder was auch immer zum stricken wäre! Männer dürfen Herztransplantationen durchführen, aber stricken ist zu schwierig? Oder liegt es daran, dass stricken, häkeln, nähen eine "Frauen"sache ist? Mädels, ihr seid es ja selber schuld wenn Männer im Gegenzug EURE Hobbies nicht ernstnehmen, wenn ihr die Kerle nicht heranlassen wollt.
Ich wäre froh, wenn mein Mann über meine Häkeleien nicht mehr milde lächeln würde. Aber so lange das Hobby fest in weiblicher Hand bleibt, wird sich daran auch nichts ändern. Weiberkram halt. Darum ging es mir runter wie Öl, wenn wieder ein blöder "Guck mal, der Mann kann stricken"-Spruch kam. Denn dann konnte ich erwidern: "Ja, und er hat DIESES Buch dort drübern geschrieben". Weiber!
Gut, aber abgesehen von geschlechtsspezifischen Kleinstproblemen war der Tag wunderschön. Liebe Freunde meines Schotten-Clans kamen von weit her (Bergheim und Engelskirchen!) eigens für uns nach Leichlingen, und haben uns den Tag verschönt. Ein Jung-Mitglied der Gruppe hat sich sogar von Aud das Stricken und von mir das Häkeln zeigen lassen, wobei Aud die bessere Lehrerin ist.
Außerdem kam später eine Leichlingerin mitsamt ihrem Strickzeug zu uns an den Stand und gesellte sich zu uns. Leider habe ich kein Foto gemacht, und auch die restliche Bilderausbeute ist Dank meiner Uralt-Kamera nicht so dolle geworden, aber immerhin sieht man ein bisschen. Ich hoffe ich finde die spontane Leichlinger Strickfreundin wieder, ich weiß wo sie arbeitet. Denn wenn wir EINE neue Strickerin in unseren Kreis der Selbermacher bringen können, dann hat sich der Stand ja schon gelohnt.
Und vielleicht liest ja hier auch die eine oder der andere mit und bekommt Lust aufs Selbermachen. Und wer immer noch zögert, der sollte bald wieder reinlesen, denn dann drucke ich hier den pathetischen Text ab, den ich auf die Rückseite des Infozettels gedruckt hatte. Denn wenn man DEN gelesen hat, dann kann man gar nicht mehr anders, dann MUSS man einfach selbermachen. Jede Wette!
So, und hier noch ein paar Fotos, vom Stand auf dem Leichlinger Handwerkermarkt. Seht ihr die Blümchen? (klick aufs Bild und ihr seht eine größere Version)
Die Aud, oder auch Susanne:

Michael in seinem Element (Gott, ist mir die Bildqualität peinlich... und klick aufs Bild für eine größere Version)
Und eine Ravelry userin, die sich ihr Autoren-Autogramm von Michael abgeholt hat:

Und unser Ryan MacMahoon, alias Stefan, der sich von Aud das Stricken zeigen lässt! Ich fand es sehr mutig, dass er trotz seltsamer Blicke auf die strickenden Männer und ohne es je ausprobiert zu haben, zu den Stricknadeln gegriffen hat!

Ein großer Dank geht an die Initiative Handarbeiten, die mir Musterstücke zum Ausstellen überlassen hat. Klickt euch da mal rein, denn es gibt unzählige kostenlose Anleitungen dort.
Und den fleissigen Helfern Aud, Michael und meinem Ehemann kann ich gar nicht genug danken. Ich hab euch lieb.
Ich will ja nicht meckern, aber der junge Mann häkelt. Aber das Wichtigste ist doch, dass er sich traut!
Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis die Gleichberechtigung sich auf allen Bereichen durchgesetzt hat, vielleicht ist es in der nächsten Generation so weit.
In meinem Freundeskreis habe ich auf jeden Fall schon einen Mann angesteckt, er strickt mit Begeisterung - sogar Socken. Seine Söhne finden häkeln und stricken ganz toll.
Ich wäre auch gerne am Sonntag gekommen. Vielleicht beim nächsten Mal.
Liebe Grüße
Elisabeth
Hehe, der Mann strickt, auf dem Foto. Er hält die Nadeln sehr eng, und die Maschen fast an der Spitze, es waren die ersten seines Lebens, soweit ich weiß. Gehäkelt hat er später mit mir, da konnte ich nicht knipsen, darum weiss ich es genau, und unter seinen Nadeln (man sieht sie schlecht) sieht man den Schal, den Aud angefangen hatte. Sie hat ihn ein paar Maschen machen lassen.
Mein Jüngster ist ja auch handwerklich begabt, aber er hatte an dem Tag keine Lust, war auch besser so, es war recht voll und in dem Gewühl hätte ich ihn bestimmt nicht ausreichend beachtet.
Klar, du hast recht, wenn ich genauer hingeschaut hätte, hätte ich es auch sehen müssen. Außerdem warst du schließlich dabei und ich nicht.
Hatte heute morgen wohl noch die falsche Brille auf.














Uh, jetzt ärgere ich mich nur umso mehr, dass ich nicht kommen konnte >< (Wer erfindet die Warptechnik, damit man auch wenn man erst ab 15Uhr loskann und drei Stunden Zug fahren müsste überall hinkommt wo man will? XD)
Aber schön, dass es dir Spaß gemacht hat.
Beim nächsten Mal sorge ich im Voraus dafür, dass ich nichts vor habe *g*
Und was die strickenden Herren angeht - ich kenne mehrere, die des Strickens durchaus mächtig sind. Alles eine Sache der Gewöhnung. ^^
Wenn Handarbeiten nur Frauensache wären, wäre alles viel zu langweilig ;3
LG, Jana